Die schönste Seereise: Hurtigruten – mit dem Postschiff Norwegen erkunden. Teil 3: vom Nordkap nach Kirkenes und zurück bis Trondheim

Es ist fast nicht zu glauben, aber die Zeit vergeht wie im Fluge. Eben erst gestartet sind wir jetzt etwa 2500 km mit der MS Richard Whit in den Norden gefahren und in Kirkenes,

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Denkmal in Kirkenes

dem entferntesten Ort unserer Reise,  angekommen. Zu Fuß gehts durch das Zentrum, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Die Stadt ist ja schließlich klein und übersichtlich. Hier im Grenzgebiet Norwegen – Russland (10 km) – Finnland (35 km) gibt es eigentlich nicht all zuviel zu sehen. Den Ausflug an die russische Grenze spare ich mir, aber einige markante Orte soll man eben doch besucht haben, etwa den Stadtplatz mit dem Denkmal, die Kirche usw. Wie ich in den Unterlagen gelesen habe, war auch Kirkenes von den deutschen Truppen besetzt und beim Rückzug hatten die Besetzer „die verbrannte Erde“ zurückgelassen. Fast alles (bis auf 20 Häuser) wurde vernichtet, bevor die Rote Armee zur Befreiung kam. Ähnlich war es auch bei den anderen Städten.

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nur noch 200 km bis Murmansk!

Ein Highlight ist mir allerdings doch noch aufgefallen: ein Wegweiser nach „Murmansk“. Von Kirkenes sind es nur noch etwa 200 km zur russischen Metropole mit dem bekannten Eismeerhafen.

Bereits zu Mittag legt die Richard Whit in Kirkenes ab und fährt dieselbe Strecke wieder zurück. Allerdings werden wir Orte und Städte besuchen, die bei der Nordfahrt während der Nacht angelaufen wurden.

Kurz nach dem Mittagessen informiert uns das Team, dass in wenigen Minuten ein Rettungshubschrauber der norwegischen Küstenwache kommen wird. Heute findet eine spektakuläre Rettungsübung statt, bei der mehrere Personen mittels Seilbergung vom Schiff auf den Heli „gerettet“ werden sollen.

Am späten Nachmittag erreichen wir Vadsø, den östlichsten Hafen Norwegens. Ein kleiner verschlafener Ort, der dadurch bekannt wurde, dass Roald Amundsen hier 1926 mit seinem Luftschiff „Norge“ anlegte. Der Mast, an denen die Luftschiffe ankerten, steht übrigens noch heute.

Nach einigen Stunden an Bord erreichen wir früh morgens Hammerfest, die nördlichste Stadt der Welt. „On top of the world“ – ein Werbeslogan, den man immer wieder findet. Hammerfest liegt 1000 km nördlich des Polarkreises. In Hammerfest überstand nur eine Grabkapelle, die Greuel der „verbrannten Erde“.

Kirche Hammerfest
Kirche und Friedhof Hammerfest

Heute ist Hammerfest die Stadt der Erdgasförderung und Verarbeitung (hier ist die größte Erdgasverflüssigungsanlage der Welt zu finden). Ein kleiner Stadtrundgang führt mich zur Pfarrkirche und zum Eisbärenklub. Den muss man einfach besucht haben und viele treten diesem elitären Klub auch bei. Er hat rund 240.000 Mitglieder!

Wieder zur Mittagszeit legt unser Schiff ab, um rechtzeitig zum nächsten Höhepunkt – dem Mitternachtskonzert nach Tromsø zu kommen. Auch während dieser Fahrt gibt’s wieder viel zu sehen, zu staunen und zu fotografieren.

Plötzlich tauchen am Horizont einige Schlauchboote auf. Bald darauf die Info: Antiterrorübung einer norwegischen Spezialeinheit. Es ist wirklich toll und fast nicht vorstellbar, wie diese Übung (bei voller Fahrt unseres Schiffes) verläuft.

Nach dem Abendessen gönnen wir uns noch ein bisschen Ruhe, um für das Konzert fit zu sein. Rechtzeitig bei der Einfahrt in Tromsø erfolgt dann die obligate und schon erwartete Durchsage unseres Expeditionsteams. Ankunft um 00.15 und Abfahrt der Hurtigruten Busse zur Eismeerkathedrale um 00.30 Uhr. Der Großteil der Gäste gönnt sich dieses „Mitternachtsvergnügen“ und wird nicht enttäuscht. Wirklich etwas Besonderes!

Gleich nach dem Konzert und dem obligaten „welcome“ des Bordcomputers legt die Richard Whit auch schon wieder ab und wir verlassen Tromsø. Am Morgen geht’s entlang der Inselgruppen der Vesterålen und Lofoten durch eine spezielle „Hurtigruten-Fahrrinne“ nach Stokmarknes.

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Hurtigruten Museum

Die Stadt ist der Gründungsort von Hurtigruten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier auch das Hurtigruten-Museum befindet. Und so marschiere auch ich durch das beeindruckende Museum und das umfunktionierte Schiff.

Bei traumhaften Wetter steuert der Kapitän die Richard Whit am Nachmittag in den Trollfjord. Auch das ist wieder ein besonderes Erlebnis. Herrliche, mit Schnee bedeckte Gipfel direkt am Fjord. Natürlich ist die Kamera immer „schussbereit“. Pünktlich wie angekündigt legt schließlich ein kleines Motorboot steuerbord an und wir verlassen unser Schiff, um zur „Seeadler-Safari“ aufzubrechen.

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Nachdem uns zuerst eigentlich nur Möwen begleiten, sind sie schließlich schon zu sehen: Die absoluten „Könige der Lüfte“ – die Seeadler.DSC04775

 

Es ist wirklich faszinierend, mit welcher Ruhe und Gelassenheit diese Riesenvögel (Spannweite bis 2,5 m!) sich hier ihre Beute (die von der Crew mitgebrachten Fische) holen.

 

Leider vergeht auch dieser Nachmittag viel zu schnell. In der Dämmerung fahren wir mit unserem Schiff nach Svolvær, wo wir die Richard Whit treffen, an Bord gehen und unsere Reise (in den Süden) fortsetzen. Eine ruhige und angenehme Nacht wartet auf uns, in der es wieder Nordlichter zu bewundern gibt.norway-9717

Am nächsten Morgen sind wir um etwa 9 Uhr bereits wieder am Polarkreis. Statt der „Polarkreistaufe“ müssen wir jetzt einen Löffel „Waltran“ einnehmen. Na ja – das geht!

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am Polarkreis ein Löffel Waltran für die Gesundheit

Gegen Mittag gibt es die nächste Besonderheit: wir fahren an den 7 Schwestern (einer Gebirgsformation mit 7 Spitzen) vorbei und bewundern die Naturschönheiten.

Eine beeindruckende Fahrt durch die Schären setzt sich fort und wir nähern uns langsam unserem Ziel Trondheim.

Heute heißt es Abschied nehmen von der Crew, vom Expeditionsteam und von der MS Richard Whit, die uns gut hin- und hergebracht hat.

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Abschied

Bereits am Vormittag beginnt die Ausschiffung. Mit dem Hurtigruten Bus fahren wir vom Hafen Trondheim zum Flughafen, um mit einem KLM Cityhoper nach Amsterdam und dann weiter nach München zu fliegen.

Die wirklich schöne, beeindruckende und lang ersehnte Reise geht leider viel zu schnell wieder zu Ende. Ich kann allen, die es interessiert, nur bestätigen: Die schönste Seereise der Welt!

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Die schönste Seereise: Hurtigruten – mit dem Postschiff Norwegen erkunden. Teil 2 – von Trondheim, Tromsø nach Honningsvåg zum Nordkap.

„Leinen los“ heißt es und schon fahren wir weiter durch den Stoksund bis Rørvik. Bereits am frühen Morgen hören wir die Info unseres Expeditionsteams, dass wir in Kürze den nördlichen Polarkreis (66° 33′ 51″) überqueren werden (am 21. Juni erscheint hier die Sonne genau um 24 Uhr am Horizont!). Natürlich will sich niemand dieses „Highlight“ entgehen lassen und so stehen viele Reisende an der Reeling und bringen ihre Kameras in Position um den besten Schnappschuss zu machen.

Polarkreis
Polarkreis

Während das Schiff gemächlich durch die norwegische See fährt, bekommen wir Besuch. Njord, Herrscher über alle Meere, gibt sich die Ehre gemeinsam mit dem Kapitän die Polartaufe persönlich zu übernehmen und so gelangen zahlreiche Eiswürfel in den Nacken vieler noch verträumter Fahrgäste (bei mir sogar noch in die Kabine!).

Polartaufe
Polartaufe

Bereits zur Mittagszeit erreichen wir Bodø. Hier erwartet uns ein absoluter Höhepunkt: Saltstraumen. Eingepackt (wie Astronauten) im Wärmeanzug geht’s in einem Speedboot  ganz nahe heran. Unvorstellbare 400 Mio. m³ Wasser strömen mit bis zu 20 Knoten in den Saltfjord und Skjerstadfjord. Das muss man einfach gesehen bzw. erlebt haben – man kann sich das gar nicht vorstellen, es ist wirklich beeindruckend. Unsere Führerin spricht in einwandfreiem Deutsch und lenkt mit besonderer Geschicklichkeit das Speedboot um die Strudel und schließlich bei aufkommendem Wind (13 Knoten und 2,5 m hohen Wellen) zurück zur Station.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit kommen wir zu unserem Schiff zurück, das uns zum nächsten Ausflug – einem Wikingerfest – auf die Lofoten bringt. Wiki1

Hier empfängt uns „Halvar“ der Chef. Nach einem ausführlichen Zeremoniell und traditionellem Wikingerschmaus (Lamm) machen wir uns im Bus auf den Weg zu unserem Schiff und sehen hier die ersten, wenn auch schwachen Nordlichter.

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Gleich nach unserer Ankunft und dem obligaten „Borden“ (nach scannen der Bordkarte wird jede(r) Einzelne mit einem „welcome“ begrüßt, setzt sich unser Hurtigruten Boot in Bewegung. Für uns wird’s Zeit uns in der Kabine beim nächtlichen Schlaf zu erholen um für den nächsten Tag fit zu sein.

Am frühen Nachmittag des 5. Tages erreichen wir die arktische Hauptstadt Tromsø. Heute ist die Stadt die größte Metropole des hohen Nordens, die flächenmäßig größte Stadt Europas, nördlichste Universitätsstadt usw. Schon von weitem sieht man das Wahrzeichen – die Eismeerkathedrale die 1965 geweiht wurde. Sie soll an die in dieser Gegend typischen Trockenfischgestelle erinnern.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt mache ich eine besondere Entdeckung. Sowohl der Hauptplatz als auch die Hauptstraße sind gesperrt.Tromsö1

 

Die Straßen werden neu errichtet und eine  „Straßenheizung“ eingebaut. Ja, die Petrodollars machen das möglich – Norwegen kann sich das leisten.

 

Am Abend machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Honningsvåg – zum Nordkap. Bereits zur Mittagszeit kommen wir an. Die Hurtigruten-Busse warten bereits um einen Teil der Gäste zum Nordkap zu bringen. Nach dem Besuch bei einer Samen-Familie (Rudi, das Rentier ist für das bevorstehende Weihnachtsfest bereits fit!) geht’s zum Nordkap Plateau.

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Endlich sind wir da: 71° 10′ 21″. Das Nordkap. Eigentlich wimmelt es hier vor lauter Besuchern aber heute: fast leer, ganz wenige Leute und nur 1 Bus und dazu das bestellte Wetter: Sonnenschein mit Fernsicht und zur Abfahrt leichter Schneefall. Herz, was willst du mehr? Es scheint als stünde ich am Ende der Welt!?fbe (1)Es ist wirklich so: ein Highlight jagt das andere. Unser Schiff setzt seine fahrplanmäßige Fahrt fort. Das nächste größere Ziel: Kirkenes – die Grenzstadt zu Russland und Finnland. Das Tor nach Osten….

… und hier beginnt nach rund 2.500 km auf See die Rückfahrt nach Trondheim

Mehr darüber im nächsten Bericht.

 

 

 

Die schönste Seereise: Hurtigruten – mit dem Postschiff Norwegen erkunden. Teil 1

Kürzlich ging für mich ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Gemeinsam mit meinem Freund Poldi machte ich mich auf den Weg nach Bergen zur Einschiffung auf die MS Richard Whit, einem der zahlreichen Schiffe von Hurtigruten (der berühmtesten Schifffahrtslinie der Welt!). Es ist fast nicht zu glauben, aber seit 125 Jahren wird die Schifffahrtsstrecke an der norwegischen Küste von Hurtigruten befahren. Bergen, die ehemalige Hansestadt, ist Ausgangs- und Endpunkt der Hurtigruten. Sie gilt als schönste Stadt des Landes und hat viel zu bieten. Aber alles der Reihe nach.

Nach einer schnellen und komfortablen Anreise mit KLM von München über Amster-dam  landen wir am Nachmittag in Bergen.ab (2)

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beeindruckend: im Cockpit der

Boeing 737/800

 

 

 

Alles ist bestens organisiert, ein Bus wartet bereits auf uns und bringt uns direkt zu unserem Schiff – der Richard Whit – zum Hurtigruten-Abfertigungsschalter (Check in).

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MS Richard With

Nach der obligaten Sicherheitsunterweisung (was tun, wenn der Alarm ertönt, wo finde ich die Schwimmweste, wie lege ich sie an, usw.) suchen wir unsere Kabine.

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Nicht gerade groß, aber eben zweck- entsprechend. Wir haben ohnehin vor,  nur zum Schlafen bzw. zur Körperpflege in der Kabine zu sein.

Es gibt ja immer wieder was Neues und es wäre doch wirklich schade, etwas zu übersehen.

Da wir jetzt wissen, wie das ganze ablaufen wird und wo die wichtigsten Plätze (natürlich auch unser Platz im Speisesaal) am Schiff sind, ist bereits das Buffet eröffnet. Der erste Eindruck ist „super!“. Alles was man erwartet, findet man hier: Lachs, Forelle, Scampi, Muscheln, Krappen, Kaviar, usw. Aber nicht nur Hauptspeisen: auch für den „süßen Abschluss“ ist alles da, alles vom Feinsten. Fast schade, diese Kunstwerke zu zerstören, aber schließlich und endlich haben wir heute ja noch fast nichts gegessen und so machen wir uns auf den Weg zur „Schlacht am Buffet“ und werden nicht enttäuscht.

Buffet
Buffet

Nichts fehlt, nichts geht aus – nur: wenn das jetzt fast 2 Wochen so weitergeht, wird uns die Waage zuhause darauf hinweisen, dass wir vielleicht doch etwas zu viel probiert haben, oder? Na was soll’s, wenn wir schon hier sind, wollen wir die skandinavische Küche doch auf die Probe stellen (und: bezahlt haben wir das ja auch! 🙂 )

Nun noch schnell die wichtigsten Stationen auf dem Schiff suchen (Infodeck, Rezeption, Bar, Panoramadeck, usw.) und dann ab in die Kabine.

Nach einer kurzen, aber scheinbar stark schaukelnden Nachtfahrt treffen wir uns im Info-Center. Das Expeditionsteam informiert über die nächsten Ausflüge. Kurz nach dem Mittagessen geht’s auch schon los. Tendern von der MS Richard With auf ein kleineres Ausflugsboot zur Anlegestelle um den Hjørundfjord auf dem Landweg zu erkunden.

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Richard With imHjørundfjord

Am Kai wartet bereits der Hurtigruten Bus und unsere Reiseleiterin die uns über ihrer Heimat informiert. Riesige Wasserfälle, Almen und Alphäuser, und einiges aus dem Reich der Trolle, die ja überall anzutreffen sein sollen. Zum Abschluss dieses Ausfluges besichtigen wir das etwa 200 Jahre alte beeindruckende Hotel Union.

Union Hotel
Hotel Union

Das Tenderboot bringt uns wieder zurück zur Richard Whit und am späten Nachmittag legen wir bereits in Ålesund, der „Stadt des Jugendstils“ an. Auch hier gibt es viel zu sehen und meine Kamera tickt pausenlos.

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Ålesund die Jugendstilstadt

Während uns das Abendessen serviert wird legt unser Schiff wieder ab und steuert Richtung Trondheim – die Königsstadt – und eine der großen Zentren des Landes. Bereits am frühen Morgen legen wir in Trondheim an und wir erkunden die Stadt mit dem besonderen Nidaros-Dom, der bereits zwischen 1000 und 1300 erbaut wurde. Er ist das größte gotische Bauwerk Norwegens und Krönungskirche der norwegischen Könige.

Trondheim Nidarosdom
Trondheim Nidarosdom

Wie es weitergeht? Fortsetzung folgt!